In meine Blogbeitrag über meine Rückführung in die Pränatalzeit (siehe Blogbeitrag: Hypnose: Rückführung in die Pränatalzeit) habe ich beschrieben, wie körperlich präsent mir in dieser Rückführung Zeiten aus der Schwangerschaft meiner Mutter mit mir und die Geburt selbst vorgekommen sind. Wie eindringlich ich körperliche Empfindungen in dieser Rückführung in Hypnose empfunden, sogar durchlitten habe. Und ich hatte darüber berichtet, dass ich in dieser Rückführung das Empfinden hatte, das ich einen Zwillingsbruder hatte, der in der Schwangerschaft schliesslich verstorben ist. Davon hatte ich bis zu dieser Rückführung noch keine Ahnung, nicht einmal das vage Gefühl, dass es so etwas für mich geben könnte.
Aber die Erkenntnis, dass es diesen Zwilling in meinem Leben gegeben hat, kann mir viele meiner Gefühle und Probleme erklären helfen.
Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass viel mehr Schwangerschaften als Mehrlingsschwangerschaften angelegt sind, als wir bisher wussten, und nur ein kleiner Teil davon zu Mehrlingsgeburten führt. Das heißt, dass in einem Großteil dieser Schwangerschaften mindestens eins von den Kindern bereits im Mutterleib verstirbt. Man schätzt, dass 30% aller Schwangerschaften zu Beginn Mehrlingschwangerschaften sind, aber nur maximal 5% aller Geburten Mehrlingsgeburten sind. Das heisst, dass ca. jeder 4. Mensch im Laufe seiner Schwangerschaft einen Zwilling verloren hat.
Entgegen der überholten Meinungen, dass es für die vorgeburtliche Zeit keine Erinnerung gibt, weil noch keine Sprache als Erinnerungsmedium ausgebildet ist, weiss man seit dem Ende des vorigen Jahrtausend, dass bereits wenige Wochen alte Embryos beobachtbare Reaktionen auf Geschwister im Mutterleib zeigen und ihr Geschwister sehr genau wahrnehmen können. Dieser aufeinander bezogene Kontakt intensiviert sich im Laufe der Schwangerschaft so weit, dass die Kinder im Mutterleib miteinander zu spielen beginnen.
Und wenn der so innig verbundene Partner verschwindet, langsam oder auch plötzlich, kann das tiefe Spuren für das gesamte Leben des Überlebenden zeichnen. Erst langsam nähert sich die Psychologie und die Traumatologie diesem Phänomen.
Vielfältige Störungen können sich daraus entwickeln:
- Schuldgefühle, weil man überlebt hat und auf Kosten eines(r) Anderen
- Bindungsstörungen einerseits als Schwierigkeit tiefe Bindungen eingehen zu können, andererseits ein so intensiver Wunsch nach Nähe und “Verschmelzung”, den kein Partner so erfüllen kann
- Eifersucht aus Angst wieder einen nahestehenden Menschen zu verlieren
- Depressionen
- Selbstbestrafungen
- Todessehnsucht / Todesangst
- Ständige Suche ohne irgendwo richtig anzukommen
- Entscheidungsschwierigkeiten (zB Sache doppelt zu kaufen)
Für mich hat die Erkenntnis der Zwillingsschwangerschaft zu vielem eine plausible Erklärung gegeben, was mir sonst nicht weiter auflösbar erschien.
Meine Schwierigkeiten, mich für etwas zu entscheiden, mein unerklärlicher Hang zu Melancholie und Traurigkeit, mein Unbehagen, allein ein Projekt anzugehen und zu vollenden, mein Macke manche Dinge doppelt zu kaufen und einiges mehr sind so zu erklären.
Ich habe hier einen Ansatz, dieses mit Hypnose (“Heilung des inneren Kindes”, “Time-Line-Arbeit” etc. anzugehen) vor allem aber mit Familienaufstellung dem verlorenen Zwilling seinen Platz zu geben.
Ich kann nur noch einmal allen werdenden Eltern empfehlen, eine solche Rückführung durchzuführen, um ihr Kind mit seinen “Problemen” im Mutterleib besser verstehen zu können und ihm einen warmen Empfang auf dieser Welt zu geben. Aber auch die, die unter solch unerklärlichen Symptomen und Einschränkungen leiden, können in einer Rückführung unter Umständen einen Schlüssel für ihre Probleme finden, und diese dann mit Hypnose oder Familienaufstellung auflösen.
Es gibt ein für dieses Thema gutes weiterführendes Buch:
Hierin beschreibt Evelyne Steinemann detailliert die medizinischen Hintergründe, das Trauma des Verlustes und seine Folgen, die Auswirkungen des Verlustes und die Möglichkeiten diesen Verlust zu verarbeiten. Für Betroffene ein lesenswerter Beitrag zu diesem Thema.
Ein weiteres gutes und interessantes Buch zum Thema des verlorenen Zwillings:



Hallo Jörg,
das ist ja interessant! Ich bin ein 7 Monatskind weil im Bauch meiner Mutter noch ein Zwillingsbruder war, von Diesem wusste aber niemand. (warum auch immer) Waren wohl unter der Geburt recht erschrocken als “noch Etwas kam” vielleicht erklärt Dies auch meine “bestehende Sehnsucht ohne zu Wissen wonach eigentlich” Wie eine Art Suche ohne zu Wissen – was ich suche. Der Punkt mit der Verschmelzung könnte möglicherweise auch stimmen? (obgleich ich sehr freiheitsliebend bin, nicht einfersüchtig… auch weitere Punkte treffen auf mich nicht zu)
Antwort zur Showhypnose habe ich gelesen, danke
Herzliche Grüsse
Stefanie
Liebe Stefanie,
interessant, dass Du auch eine Geschichte mit einem Zwilling hast. Die Folgen für uns, die unser Zwilling bewirkt, sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ich wollte nur sagen, in welche Richtungen das so gehen kann. Das heisst aber nicht, dass wir alle gleich reagieren. Nur wenn Du mal an ein Problem, eine Frage kommst, an eine Stelle, an der es für Dich nicht so weitergeht, wie Du es möchtest, würde ich mir noch einmal das Zwillings-Thema vornehmen. Es ist sehr gut möglich, dass Du damit ein gutes Stück weiter kommst. Und die Erfahrung in der Rückführung sind wirklich sehr beeindruckend. Das verspreche ich Dir.
Herzliche Grüsse
Jörg
Hallo Herr Dr. Vogt
Das ist ein wunderbarer Beitrag und da ich Sie ja ein bisschen kennengelernt habe, erklärt das einige Wahrnehmungen die ich hatte / habe mir aber nicht erklären konnte bzw. mir das nicht anmaßen wollte.
Keine Frage das Familienstellen ist hier wohl die ergreifenste, tiefste und wahrscheinlich wirkungsvollste Therapie.
Ich habe in der Ausbildung mal davon gehört, da hat jemand auch ständig doppelt eingekauft.
Ein Anderer hat für den verlorenen Zwilling einen Teddy gekauft und dann an einem heiligen Ort hinterlassen. Er ist danach ein erfolgreicher Aufsteller geworden.
Ich selbst bin höchst wahrscheinlich mit einer abgetriebenen Todgeburt verbunden und kenne einige der genannten Schwierigkeiten auch.
Bis bald
Gruß
Heike Bilda-Tiedemann
Prima Beitrag